Der Einschaltknopf wird gedrückt – und nichts passiert. Keine LED, kein Lüfter, kein Geräusch. Nicht mal ein Zucken. Der PC reagiert auf den Knopfdruck einfach überhaupt nicht.
Das unterscheidet dieses Symptom von anderen Startproblemen: Hier startet das System nicht einmal ansatzweise an. Es gibt keine Schutzabschaltung, keine fehlerhafte Komponente die den Startvorgang abbricht – der Startbefehl kommt schlicht nicht an. Und das hat überraschend oft mit Dingen zu tun, die man gar nicht im Verdacht hätte.
Zuerst: die Basics ausschließen
Bevor man das Gehäuse öffnet, lohnen sich zwei Sekunden für das Offensichtliche.
Das Netzteil hat auf der Rückseite des Gehäuses einen eigenen Ein/Aus-Schalter. Steht er auf „0″ – oder wurde er aus Versehen umgelegt – bekommt das Mainboard keinen Strom und der Power-Button bewirkt gar nichts. Schalter auf „I“ stellen und erneut versuchen.
Genauso: Steckerleiste eingeschaltet? Direkt in die Wandsteckdose stecken und testen. Manchmal hat eine Steckerleiste mit Überspannungsschutz intern ausgelöst und gibt keinen Strom mehr weiter.
Angeschlossene USB-Geräte als versteckter Startblocker
Das klingt unlogisch – aber externe USB-Geräte können in manchen Fällen verhindern, dass ein PC überhaupt auf den Einschaltknopf reagiert. Der Grund: Manche BIOS-Versionen warten beim Start auf eine Initialisierungsantwort bestimmter USB-Geräte – und wenn diese Antwort ausbleibt oder zu lange dauert, hängt das System noch vor dem eigentlichen Start.
Alle USB-Geräte abziehen – Tastatur, Maus, Sticks, externe Festplatten, Hubs, alles – und dann den Einschalter drücken. Wenn der PC danach reagiert, war eines der Geräte schuld. Einzeln wieder anschließen um den Übeltäter zu finden.
Das Frontpanel-Kabel – die häufig übersehene Ursache
Im Inneren des Gehäuses verbindet ein kleines Kabel den Power-Button mit dem Mainboard. Dieses Kabel endet in einem winzigen zweipoligen Stecker, der auf einen spezifischen Pin-Header auf dem Mainboard gesteckt wird – beschriftet mit „PWR_SW“, „POWER SW“ oder ähnlichem.
Dieser Stecker ist klein, sitzt manchmal wackelig, und kann sich nach einem Transport, nach Arbeiten im Gehäuse, oder auch einfach mit der Zeit lösen. Wenn er nicht sitzt, kommt der Startbefehl nie beim Mainboard an – egal wie oft man drückt.
Das Gehäuse öffnen und nachschauen, ob der Power-Stecker auf dem richtigen Header sitzt und fest anliegt. Im Mainboard-Handbuch steht welche Pins gemeint sind – auf modernen Boards sind diese Header oft beschriftet und manchmal farblich markiert.
Schnelltest ohne Button
Wer sichergehen will, ob das Problem beim Button oder beim Rest des Systems liegt, kann den Einschaltvorgang direkt am Mainboard auslösen. Die beiden PWR_SW-Pins kurz mit einem kleinen Schraubenzieher oder einem Draht überbrücken – das entspricht genau dem Drücken des Einschalters. Startet der PC dabei, ist der Button oder sein Kabel defekt. Passiert weiterhin nichts, liegt das Problem anderswo.
ATX-Kabel und interne Steckverbindungen
Wenn der Power-Header sitzt und externe Geräte ausgeschlossen sind, sind als nächstes die internen Stromkabel dran. Der 24-Pin-ATX-Stecker am Mainboard und der 4- oder 8-Pin-EPS-Stecker für die CPU müssen beide vollständig eingerastet sein. Ein lose sitzender ATX-Stecker verhindert genau das: keinerlei Reaktion beim Einschalten.
Beide Stecker einmal lösen und wieder fest eindrücken. Der 24-Pin-Stecker hat einen Clip der hörbar einrastet; beim EPS-Stecker ist der Sitz manchmal schwerer zu beurteilen, aber auch er muss vollständig eingesteckt sein.
Wenn es am Button selbst liegt
Power-Buttons können defekt werden. Das passiert selten, aber es passiert – besonders bei älteren Gehäusen, bei günstigen Modellen, oder wenn der Button mechanisch beschädigt wurde.
Ein defekter Button lässt sich mit dem oben beschriebenen Überbrückungstest am Mainboard schnell ausschließen oder bestätigen. Wer einen defekten Button ersetzen will: die Reparatur ist unkompliziert, ein Ersatz-Button ist günstig, und das Kabel lässt sich auch mit dem Reset-Button des Gehäuses überbrücken – sofern vorhanden. Reset und Power funktionieren nach demselben Prinzip und der Reset-Header sitzt direkt daneben.
Was wenn nach all dem immer noch nichts passiert
Steckerleiste geprüft, Netzteilschalter auf I, USB-Geräte getrennt, Frontpanel-Kabel sitzt, ATX-Stecker fest – und trotzdem keine Reaktion.
Dann ist das Netzteil selbst der wahrscheinlichste nächste Verdächtige. Ein Netzteil das komplett ausgefallen ist, liefert auch keine Standby-Spannung mehr ans Mainboard – was bedeutet, dass der Power-Button ins Leere greift selbst wenn alles andere stimmt. Ein Netzteil-Test bringt hier schnell Klarheit.
