Der Umzug ist erledigt, Kartons werden ausgepackt, der PC wird wieder aufgestellt – und startet nicht. Schwarzer Bildschirm, keine Reaktion, oder der Rechner verhält sich seltsam und piept beim Einschalten. Kurz zuvor lief alles noch einwandfrei.
Das ist eine Situation die viele kennen, und die eigentlich gut erklärbar ist. Beim Transport wird ein Desktop-PC Erschütterungen, Vibrationen und manchmal auch unschönen Lagen ausgesetzt – auf der Seite liegend im Kofferraum, zwischen anderen Kartons eingeklemmt, über Kopfsteinpflaster gefahren. Was vorher noch fest saß, kann sich dabei lösen. Nicht unbedingt sichtbar von außen, aber eben genug um Probleme zu machen.
Was sich beim Transport löst
Die häufigsten Kandidaten sind die Komponenten die in Steckplätzen sitzen und beim normalen Betrieb nie bewegt werden.
RAM. Die Arbeitsspeicher-Riegel sitzen in Slots mit kleinen Halteklammern. Diese Klammern halten gut – aber kein Transport ist so schonend wie ein stationärer Betrieb. Nach Erschütterungen kann ein Riegel minimal aus dem Slot gerutscht sein, ohne dass man es von außen sieht. Der Kontakt ist weg, der PC startet nicht. Das ist der häufigste Transportschaden und gleichzeitig der am einfachsten zu behebende.
Grafikkarte. Eine schwere dedizierte GPU hängt im PCIe-Slot und wird von einer Schraube am Gehäuse gehalten. Beim Transport kann sich diese Schraube lösen oder die Karte leicht kippen. Eine nicht vollständig eingerastete Grafikkarte gibt kein Bild aus – oder verhindert den Start komplett.
24-Pin-ATX-Stecker und andere Kabelverbindungen. Steckerverbindungen die jahrelang nicht angefasst wurden, können durch Erschütterungen um Millimeter lockern. Beim 24-Pin-Stecker am Mainboard reicht das, um Startprobleme zu verursachen.
CPU-Kühler. Schwerere Turmkühler sind beim Transport ein Risikofaktor. Ein großer Kühler der nicht abgebaut und separat transportiert wurde, hebelt beim Erschüttern möglicherweise an den Halterungen – im schlimmsten Fall löst sich der Kühler leicht oder drückt auf den CPU-Sockel.
Was als Erstes zu tun ist
Gehäuse öffnen, alle Steckverbindungen einmal lösen und wieder fest einrasten. RAM-Riegel komplett herausnehmen und neu einsetzen – die Halteklammern müssen hörbar einrasten. Grafikkarte lösen, prüfen ob die Rückhalteschraube am Gehäuse noch sitzt, Karte wieder einstecken. Den 24-Pin-Stecker und den CPU-Stromanschluss (4- oder 8-polig, oben auf dem Mainboard) ebenfalls einmal lösen und neu verbinden.
Das klingt nach viel, geht aber meistens in zehn bis fünfzehn Minuten. Und in einem erheblichen Anteil der Fälle läuft der PC danach wieder.
Einzelne Komponenten gezielt testen
Wenn das pauschale Neu-Einsetzen nichts bringt, lohnt es sich etwas systematischer vorzugehen. Bei mehreren RAM-Riegeln: einzeln testen, jeweils nur einen einbauen und schauen ob der PC startet. So lässt sich ein einzelner locker gesessener oder beim Transport beschädigter Riegel identifizieren.
Für die Grafikkarte gilt: wenn der Prozessor eine integrierte Grafikeinheit hat, Monitor kurz an den Mainboard-Ausgang anschließen und ohne dedizierte GPU starten. Erscheint dann ein Bild, war die GPU das Problem.
Was selten, aber möglich ist
Manchmal hat der Transport echte mechanische Schäden hinterlassen – nicht nur gelockerte Verbindungen. Ein Kondensator auf dem Mainboard der beim Transport einen Stoß abbekommen hat, eine gebrochene Lötverbindung an einem Steckplatz, oder ein Riss in einer Leiterbahn. Das lässt sich ohne Fachkenntnis kaum erkennen und noch schwerer reparieren.
Bevor man zu diesem Schluss kommt, sollte man aber alle oben genannten Schritte durchgegangen sein – weil die Ursache in den allermeisten Fällen eine gelockerte Verbindung und kein struktureller Schaden ist.
Nächstes Mal: Wie man einen PC richtig transportiert
Wer einen PC umzieht, sollte ihn möglichst aufrecht transportieren – so wie er normalerweise steht. RAM-Riegel und Grafikkarte vorher ausbauen und separat verpacken ist ideal, aber nicht immer praktisch. Mindestens aber: großen Turmkühler abbauen oder mit einem Schaumstoffblock abstützen, und den PC in einem stabilen Karton mit Polstermaterial sichern statt lose im Kofferraum zu verstecken.
Die meisten Transport-Startprobleme hätten sich damit vermeiden lassen.
